Nachhaltige Fonds und ETFs haben in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Achterbahnfahrt erlebt. Nach einem regelrechten Boom, der Anlegerinnen und Anleger in Scharen in ESG-Produkte trieb, folgte eine Phase der Ernüchterung: Greenwashing-Vorwürfe, enttäuschte Renditeerwartungen und politischer Gegenwind – vor allem aus den USA – ließen das Interesse spürbar abkühlen. Doch die Trendwende zeichnet sich ab. Nachhaltige Fonds kehren zurück in die Gunst der Anleger, gestützt durch wachsendes regulatorisches Bewusstsein, eine reifere Produktlandschaft und ein gestiegenes Verständnis dafür, was nachhaltige Geldanlage tatsächlich leisten kann und soll.
Dabei kursieren hartnäckig zwei Missverständnisse, die es zu korrigieren gilt. Das erste lautet, Nachhaltigkeit sei gleichbedeutend mit Klimarettung. Dieser Irrtum verengt den Blick erheblich. Denn wer nachhaltig investiert, nimmt nicht nur den CO₂-Ausstoß eines Unternehmens unter die Lupe, sondern fragt auch danach, unter welchen Bedingungen Menschen dort arbeiten, ob Lieferketten frei von Kinderarbeit sind und ob Unternehmensführung transparent und integer gestaltet ist. ESG steht für Environment, Social und Governance – drei gleichberechtigte Dimensionen, von denen die ökologische in der öffentlichen Wahrnehmung die anderen beiden häufig überschattet. Wer einen Fonds allein nach seinem Klimafußabdruck beurteilt, bekommt nur einen Bruchteil des Bildes.
Eine entscheidende Rolle bei der Neuordnung des Marktes spielen die Regelwerke der Europäischen Union. Mit der Offenlegungsverordnung (SFDR) und der EU-Taxonomie wurden erstmals verbindliche Standards geschaffen, die definieren, was als nachhaltig gilt und wie Finanzprodukte entsprechend klassifiziert und kommuniziert werden müssen. Das hat den Markt zunächst durchgeschüttelt: Zahlreiche Fonds wurden von Artikel 9 auf Artikel 8 zurückgestuft, weil die neuen Anforderungen strenger waren als erwartet. Langfristig jedoch schaffen diese Regeln das, was bislang fehlte – Vergleichbarkeit und Verbindlichkeit. Anleger können künftig besser einschätzen, was in einem Produkt tatsächlich steckt.
Die praktische Frage bleibt: Wie findet man einen Fonds, der zum eigenen Wertekanon passt? Denn Nachhaltigkeit ist kein einheitliches Konzept, sondern ein Spektrum. Manche Anleger möchten fossile Energien vollständig ausschließen, anderen ist die soziale Komponente wichtiger, wieder andere legen Wert auf aktives Engagement – also darauf, dass der Fondsanbieter als Aktionär Einfluss auf Unternehmen ausübt. Entscheidend ist, sich vor der Anlageentscheidung zu fragen, welche Werte und Ausschlusskriterien persönlich relevant sind, und dann gezielt Produktinformationen sowie unabhängige Ratings zu prüfen. Nachhaltig investieren bedeutet letztlich nicht, auf Rendite zu verzichten – sondern bewusst zu entscheiden, womit sie erzielt werden soll.









