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Greenwashing in Österreich geht deutlich zurück

Österreichs nachhaltige Fonds gewinnen spürbar an Substanz, und man merkt, dass die Branche langsam jene Ernsthaftigkeit zurückgewinnt, die sie vor der Phase des Greenwashings hatte. Es wirkt fast wie eine Rückbesinnung auf Tugenden, die früher selbstverständlich waren: klare Prinzipien, eine solide Auswahl von Unternehmen und ein Fokus auf langfristige Wirkung statt auf schnelle Marketingpunkte. Die jüngsten Entwicklungen zeigen jedenfalls, dass sich immer mehr Fonds daran messen lassen müssen, was sie tatsächlich leisten – und nicht, was sie versprechen. Dass österreichische Anbieter dabei messbar nachhaltiger werden, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines wachsenden Bewusstseins bei Anlegern und einer regulativen Umgebung, die weniger Spielraum für schöne Behauptungen lässt. Doch man spürt auch: Die Bewegung ist im Gang, aber sie ist noch lange nicht am Ziel.

Mit den neuen ESMA-Regeln, die strengere Kriterien und klarere Vorgaben für nachhaltige Fonds bringen, entsteht eine Ordnung, die vielen Anlegern schon früher geholfen hätte. Endlich wird präziser definiert, was ein Fonds leisten muss, um sich nachhaltig nennen zu dürfen, und die Zahl der Graubereiche schrumpft. Diese Regeln können manchem Fondsmanager wie eine Rückkehr zu alten Schulmeistern vorkommen, die mit strenger Hand dafür sorgen, dass nur das aufs Zeugnis kommt, was tatsächlich stimmt. Und ja, das tut der Branche gut, denn über Jahre hat man sich darauf verlassen, dass ein paar hübsch formulierte Nachhaltigkeitsversprechen ausreichen, um Anleger zu überzeugen. Jetzt aber wird die Substanz eingefordert – und wer sie nicht liefern kann, wird es schwerer haben als früher.

Dennoch sollte man nicht so tun, als wären mit den ESMA-Richtlinien alle Probleme gelöst. Manche Fonds schmücken sich weiterhin mit Nachhaltigkeit, obwohl ihr Kernportfolio wenig verändert wurde. Andere kämpfen damit, dass Datenlücken und unterschiedliche Bewertungsstandards die Vergleichbarkeit erschweren. Es ist wie früher, wenn man versuchte, Äpfel und Birnen in eine gemeinsame Kiste zu legen: Ein äußeres Ordnungssystem kann helfen, aber die Unterschiede verschwinden dadurch nicht. Auch die Frage, wie tiefgreifend nachhaltiges Investieren sein muss, bleibt weiter unbeantwortet. Reicht es, schlechte Unternehmen auszuschließen, oder braucht es aktive Einflussnahme? Genau hier zeigt sich, dass Regeln zwar die Richtung vorgeben, aber nicht alle Antworten liefern.

So bleibt unterm Strich ein gemischtes Bild: Österreichs nachhaltige Fonds sind auf dem richtigen Weg, doch die Branche muss weiter an sich arbeiten. Anleger verlangen heute mehr denn je nach Transparenz, und das zu Recht. Wer Nachhaltigkeit behauptet, muss sie belegen, und zwar in Zahlen, in überprüfbaren Kriterien und in einer langfristigen Entwicklung, die nicht nur von Quartal zu Quartal reicht. Die ESMA-Regeln schaffen ein stabileres Fundament, doch die eigentliche Verantwortung liegt weiterhin bei jenen, die Fonds gestalten und jenen, die ihr Geld darin anlegen. Wenn man aus der Vergangenheit eines gelernt hat, dann das: Verlässlichkeit entsteht nicht durch neue Verordnungen, sondern durch konsequentes Handeln über viele Jahre hinweg. Nur dann wird die Branche das Vertrauen wieder vollständig zurückgewinnen.